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Jung-Kritiken  



Unsere JungkritikerInnen verfassen regelmäßig Rezensionen zu unseren Stücken. Lesen Sie hier alle Beiträge unserer JungkritikerInnen!

Carolin Obermüller
* Hexenjagd
Bettina Niedermayr
* Der eingebildete Kranke
Marlene Schininger
* Der eingebildete Kranke
Michael Wiesinger
* Der eingebildete Kranke
Alicia ValdéS Rodriguez
* The Wiz
Sandra Ameshofer
* Honk!
Lena Lutz
* The Wiz
Carolin Obermüller  
Kritik zu Hexenjagd
Arthur Millers Stück, eine versteckte Kritik an der McCarthy Ära und der damit verbundenen Kommunistenhatz in den 50er Jahren, ist ein alter Klassiker. Die Inszenierung des Landestheaters Linz ist aber keineswegs verstaubt oder langweilig, sondern sehr energiegeladen und intensiv.
Der Inhalt mag den meisten bekannt sein, kurz gesagt geht es um eine Gruppe junger Mädchen, die Salem, Massachusetts, eine Kleinstadt im puritanisch geprägten Neuengland des ausgehenden 17. Jahrhunderts, durch angebliche Hexentätigkeiten in Aufruhr versetzen und eine riesige Exekutionswelle auslösen. Ehrlichkeit und Mut von so manchem Einwohner bleiben unbelohnt, da der Sumpf aus Lügen, Verrat und Neid immer undurchdringlicher wird.
Ingo Putz reduziert die gesamte Farbpalette auf weiß, schwarz und – einmal – rot, wodurch die Handlung und die Charaktere im Vordergrund stehen. Mystische Musik sowie weißes und grünes Licht sorgen für die richtige Stimmung, und die schauspielerische Leistung tut ihr Übriges, die ganze Atmosphäre wirkt unheimlich und beunruhigend.
Die Besetzung ist gelungen, Sabrina Rupp als skrupellose Anführerin der Mädchen, Georg Bonn als ihr ehemaliger, heimlicher Geliebter samt zermürbter Ehefrau (Bettina Buchholz) geben ein spannungsgeladenes Trio ab. Eva-Maria Aichner steht für das Gute in dem ganzen Wahnsinn, das nicht gebrochen wird, Katharina Stehr dagegen gibt als Mary Warren dem Druck des Gerichts und der ungeheuren Anschuldigungen nach, und Sebastian Hufschmidt mimt den herbeigerufenen Pastor, der weiß, wie man so eine „Hexenverfolgung“ angeht.
Spannend sind die komplexbeladenen Figuren, die alle mit ihren eigenen Dämonen kämpfen und entweder zu Jägern oder Gejagten in der wilden „Hexenjagd“ werden, sowie die zwischenmenschlichen Spannungen. Dazu kommt die Manie, ja fast Besessenheit derjenigen, die alle „Hexen“ zur Strecke bringen wollen, in dem festen Glauben, das Richtige zu tun.
Trotz seines Alters hat dieses Stück immer noch die Macht, Menschen aufzurütteln und zum Nachdenken anzuregen, und die vor Intensität berstende Inszenierung wird dem voll und ganz gerecht.

Kritik zu Die Hexen von Eastwick
Ursprünglich ein Roman von John Updike aus dem Jahre 1984, wurde Die Hexen von Eastwick bereits 1987 mit äußerst prominenter Besetzung verfilmt, und ist heute ein Musical, das aber im deutschsprachigen Raum nur selten aufgeführt wird. Umso besser, dass sich das neue Musiktheater an das Stück herangewagt hat!
Der Inhalt des Musicals weicht von der Originalhandlung ab, ich werde kurz die des Musicals schildern: Drei geschiedene Freundinnen – Alexandra Spofford, Jane Smart und Sukie Rougemont – langweilen sich in der neuenglischen Kleinstadt Eastwick, trinken einige Martinis, wenn sie zusammen kommen, und machen sich über die fromme Felicia Gabriel vom Denkmalschutzverein lustig. Eines Abends wünschen sie sich den perfekten Mann herbei, der am nächsten Tag auch prompt erscheint. Darryl Van Horne ist ein rebellischer und exzentrischer Kunstsammler, der sich mit Felicia anlegt und jede der drei Freundinnen verführt. Sie leben in fröhlicher Polygamie und werden von Darryl in schwarzer Magie unterrichtet, denn: Er ist der leibhaftige Teufel! Das Ganze eskaliert schließlich und endet mit einigen Todesfällen und der endgültigen Vertreibung des Teufels.
Diese Zusammenfassung klingt ziemlich trist und tragisch, die Inszenierung von Matthias Davids ist aber das genaue Gegenteil! Die Charaktere fegen in bunten 50er Jahre Kostümen über die Bühne und reißen am laufenden Band dreckige Witze, der Teufel ist gekleidet wie ein Rockstar und spielt passenderweise E-Gitarre, und Karen Robertson bzw. Cheryl Lichter beweisen als Felicia am Schluss in einem rosa Pyjama und mit wirren Haaren wunderbaren Mut zur Hässlichkeit.
Auch an den Singstimmen ist nichts auszusetzen, allen voran die vier Hauptprotago­nisten (Reinwald Kranner, Kristin Hölck, Daniela Dett und Lisa Antoni) singen mit enormer Kraft, und die Choreografien sind perfekt einstudiert.
Das einzige Manko war die Lautstärke der Musik, die manchmal die Worte so über­tönte, dass einzelne Passagen nicht verständlich waren.
Besonders hervorgehoben werden muss noch Reinwald Kranners Einsatz, der trotz schmerzhafter Knieverletzung eine großartige Leistung erbrachte und sich keine Schmerzen anmerken ließ.
Ein pompöses, lautes, knallbuntes Lustspiel für Aug und Ohr, das einen zum Schmunzeln bringt und trotz einem kurzen ernsten Teil „teuflisch“ amüsant bleibt!

Bettina Niedermayr  
Der eingebildete Kranke
Ein Freudenfest der Lachtränen mit viel Wortwitz und Gewitztheit – so präsentiert sich Der eingebildete Kranke im Schauspielhaus in Linz.

Linz. Dass Moliére, der Verfasser des Stückes, ausgerechnet auf der Bühne 1673 in der Rolle des Argans umkam, erscheint fast grotesk. Immerhin erwartet man nicht, dass man in einem Stück stirbt, indem man den Part eines Hypochonders übernimmt. Doch genau das geschah. Da kann man fast von Glück reden, dass bei der Aufführung im Schauspielhaus keiner zu Schaden gekommen ist. Das einzig Ansteckende war nämlich dort keine Krankheit, sondern das Lachen. Die Geschichte an sich wurde schon mit viel Wortwitz geschrieben: Argan ist ein Hypochonder, der immer an irgendwelchen Leiden erkrankt und somit ist er die ideale Geldgrube für seinen Arzt Monsieur Purgon. Um weitere Arztkosten zu sparen, denkt sich Argan eine List aus – er möchte seine ältere Tochter Angélique mit einem Mediziner verheiraten. Diese hat aber schon einen Geliebten, Cléante, und stellt sich gegen die Pläne quer. Unterstützt wird sie von Toinette, der Hausdienerin. Die zwei hecken einen Plan aus, wie sie nicht nur die Heiratspläne des Vaters verhindern können, sondern auch die heimtückischen Absichten von Argans Frau Béline enttarnen können.
Die Umsetzung auf der Bühne machte die Geschichte zu etwas Besonderem und das Ensemble hatte immer alle Lacher auf seiner Seite. Besonders Argan, im weißen Nachthemd, das mir noch von meinem Großvater gut in Erinnerung geblieben ist, mit einer urkomischen Schlafmütze mit Bommel, die bei jedem cholerischen Wutanfall wild hin und her schlackerte, war großartig anzusehen. Doch auch die anderen Rollen waren großartig inszeniert. Die Wortwitze von Toinette, der Dienstmagd von Argan, waren geistreich, mit viel Charme und sehr gewieft. Die Rolle wurde hervorragend mit Katharina Vötter besetzt, die sich voller Energie und Witz auf der Bühne präsentierte. Doch das ganze Ensemble war wunderbar, da sie hervorragend aufeinander abgestimmt waren und ein rundes Ergebnis auf die Bühne brachten. Die Schauspieler Vasilij Sotke (Argan), Katharina Hofmann (Béline, die zweite Frau von Argan), Jenny Weichert (die Tochter von Argan), Katharina Vötter (die Dienstmagd des Hauses), Anna Eger, Helmut Berger, Markus Subramaniam und Aurel von Arx haben insgesamt eine sehr gute Leistung mit musikalischer Unterstützung von Eva Reiter und Eugène Michelangeli auf die Bühne gebracht.

Marlene Schininger  
Lachen bis der Arzt kommt
Von der ersten Szene an wahnsinnig komisch, unterhaltsam auf eine überaus skurrile Art und Weise begeistert Der eingeblidete Kranke im Schauspielhaus das Publikum. Der Hypochonder Argan (Vasilij Sotke) wünscht sich zu seinem eigenen Nutzen Thomas Purgon, einen Arzt, als Schwiegersohn. Seine älteste Tochter Angélique, schwer verliebt in einen Gesangslehrer, ist jedoch sehr unglücklich mit ihrem Auserwählten und versucht unter Anderem mit Unterstützung ihrer Freundin und Bediensteten Toinette (Katharina Vötter) gegen den Wunsch des Vaters aufzutreten. Gleichzeitig entwickeln sich noch mehr Affären zwischen den Rollen und ergeben ein Desaster, das die Gesichter des Publikums strahlen lässt.
Die Leistungen der Schauspieler waren bemerkenswert, besonders zu loben sind jedoch unter anderem Vasilij Sotke, der als Argan die Hauptrolle perfekt gemeistert hat, Katharina Vötter, die die Rolle der Toinette bezaubernd komisch gespielt hat, ebenso wie die beiden Musiker an der Viola da Gamba und am Cembalo, die sehr gut ins Stück eingebaut wurden.
Obwohl mit Bühnentechnik und Lichteffekten bewusst sparsam umgegangen wurde, war es Wert, hinzugehen.
Tosender Applaus.
Michael Wiesinger  
Der eingebildete Kranke (Molière)
Mit dem letzten Werk des französischen Theaterschreibers Molière, sowie dem modernen Pendant Der (eingebildete) Frauenfeind als parallel laufende Stücke, versucht das Landestheater derzeit einen Spagat der humorvollen Gesellschaftskritik zwischen zwei verschiedenen Epochen zu vollführen.
So gerät in Der eingebildete Kranke der Ärztestand in die Kritik - anstatt dem Hypochonder Argan die von ihm frei erfundenen Symptome vorzuhalten, geben ihm seine Ärzte (namentlich Dr. Putz und Dr. Durchfall) wirkungslose Behandlungen und verlangen dafür ein überteuertes Honorar. Der exzellent von Vasilij Sotke gespielte Argan entlarvt dieses Spiel nicht, im Gegenteil: Er möchte seine Tochter Angélique mit dem stümperhaften Thomas Durchfall vermählen, welcher seines Zeichens frischgebackener Arzt und Sohn von Dr. Durchfall ist.
Angélique ist wiederum verliebt in Cléante, was das Stück um eine romantische Komponente erweitert.
Heimlicher Star des Stücks ist jedoch Katharina Vötter als Hausangestellte Toinette, welche oft im Hintergrund die Fäden zieht - sowohl im Sinne der Handlung, als auch bei vielen Kleinigkeiten, die vor allem dann auftreten, wenn die vierte Wand aufgebrochen wird und die Schauspieler mit dem Publikum sprechen. Dafür wurde Vötters herausragender schauspielerischer Einsatz vom Publikum sogar mit Szenenapplaus belohnt.
Überhaupt ist die Linzer Darbietung gespickt mit unterhaltsamen Improvisationen und gelungenen Bezugnahmen auf ungeplante Zwischenfälle - etwa, als sich Anna Eger in der Rolle der jüngsten Tochter Luison tatsächlich am Knie verletzte, was in weiterer Folge mustergültig in die Szene eingewoben wurde. Überhaupt versprühte das Duo Sotke - Eger viel Charme und garantierte einen hohen Unterhaltungswert.
Der kurzfristig eingesprungene Helmut Berger hatte dagegen als Argans Bruder Béralde -stets mit seinem "Haustier" in Erscheinung tretend- öfters Schwierigkeiten mit dem Text, was ihn in weiterer Folge ein wenig steif neben den durchwegs sehr befreit und schwungvoll auftretenden Kollegen wirken lies - die schwierigen Umstände entschuldigen jedoch die Aussetzer.
Letztendlich vermochten kleinere Hoppalas die grandiosen schauspielerischen Leistungen der Darsteller nicht zu trüben. Cembalo und Cello trugen einen guten Teil zur bonbonbunt inszenierten Renaissance bei und die witzigen Dialoge wurden gekonnt mit viel Situationskomik erweitert - das Publikum hatte viel zu lachen und bedankte sich im Anschluss mit einem großem Beifall für die sehr gelungene Vorstellung.

Alicia ValdéS Rodriguez  
The Wiz
Das gefeierte Soul-Musical fand seinen Weg nach Linz ins neue Musiktheater. Basierend auf der Geschichte von L. Frank Baums The Wonderful Wizard of Oz schrieb William F. Brown es zu The Wiz um. Neu ist, dass man jetzt erstmalig die Songtexte von Charlie Smalls auf Deutsch zu hören bekommt.
Alles fängt mit dem Blick auf den Bühnenvorhang an, auf den mehrere Interviews projiziert werden – immer ist die Rede von Tornados – und dann fängt das Stück auch schon an.
Dorothy (Ariana Schirasi-Fard), Tante Em, Onkel Henry und deren Farmhilfen (später im Stück die Vogelscheuche, der Blechmann und der Löwe) bereiten sich für den kommen­den Tornado vor und verschanzen sich in ihrem Keller. Weil sich die Story ja nach Oz verlagern muss, kommt Dorothy darauf, dass sie ihren Hund Toto oben vergessen hat und macht sich auf, ihn zu suchen. Dabei gerät sie mit ihrem Haus genau in den Torna­do, der sie nach Oz befördert.
Schön sieht man auf der projizierten Karte, dass Oz (in der Form von Oberöster­reich) in mehrere Teile aufgeteilt ist und Dorothy sich nun in Munchkinland befindet. Mit ihrem Haus hat sie die dort regierende böse Hexe getötet und die unterdrückten Unter­tanen befreit. Schön und gut, aber Dorothy will eigentlich nur wieder schnell nach Hause. Die Munchkins und die etwas verrückte, aber gute Hexe Addaperle (Daniela Dett) – alle witzig kostümiert, als hätte sich ein Regenbogen über sie übergossen – weisen Dorothy den Weg zum Wiz, weil der ihr bestimmt helfen kann. Zur Reise bekommt sie die silbernen Schuhe (ein guter Anhaltspunkt, um The Wiz und The Wizard of Oz aus­einander zu halten; in The Wizard of Oz sind es nämlich "ruby slippers") der toten Hexe und einen Kuss auf die Stirn von Addaperle als Schutz vor Bösem.
Der Erste, der ihr über den Weg läuft, ist die Vogelscheuche (Rob Pelzer), und nun kommt endlich der Soul des Musicals zum Vorschein. In ihm findet Dorothy auch ihren ein bisschen tollpatschigen ersten Freund in Oz. Da sich die Vogelscheuche ein Gehirn wünscht, begleitet sie Dorothy zum Wiz, um auch ihren Wunsch in erfüllen zu lassen.
So geht es auch dem moonwalk-tanzenden Blechmann (Oliver Liebl), der sich ein Herz wünscht, und dem ängstlichen Löwen (Richard McCowen), der sich nach Mut sehnt. Zusammen tanzt das Quartett zum Klassiker "Ease on down the Road" entlang der Yellow Brick Road und kommt so schließlich in die Smaragdstadt, wo alles und jeder grün ist. Dort treffen sie auf den Wiz (Reinwald Kranner), der wie ein in grün gekleideter Napoleon auf die Bühne gesegelt kommt und den nächsten Song für sich ergreift. Schnell stellt sich heraus, dass der Wiz es nur auf die silbernen Schuhe von Dorothy abgesehen hat. Diese will sie aber nicht hergeben, da sie ja Addaperle versprochen hat, die Schuhe anzubehalten. Trotzdem machen sie den Deal, dass das Quartett die letzte böse Hexe in Oz killen wird und dafür ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden.
Im zweiten Akt befinden wir uns sogleich in Evillenes (Jacqueline Braun) Reich, wo wieder einmal die Bevölkerung unterdrückt wird. Alle sind wunderbar kostümiert, besonders die böse Hexe, die wie eine lebensgroße Voodoo-Puppe aussieht. Jedoch die fliegenden Affen an ihrer Seite sehen eher aus wie Biker-Clowns als wie die Gehilfen der bösen Hexe des Westens.
Das Quartett kann noch einmal den Tag retten und beseitigt die böse Hexe. Auftrag ausgeführt, machen sie sich wieder auf den Weg zur Smaragdstadt. Dort entdecken sie, dass der Wiz gar kein Zauberer ist, sondern genauso wie Dorothy mit einem Tornado nach Oz gekommen ist. Durch seinen Heißluftballon waren die Leute von Oz schnell von ihm begeistert und er übernahm kurzerhand die Rolle als Regent. Mit ein paar mechanischen Tricks war es auch sehr leicht, alle zu täuschen.
Mit seiner tollen Überredungskunst schafft er es auch, die Freunde zu besänftigen: Er gibt der Vogelscheuche sein altes Maturazeugnis, dem Blechmann einen Herzpolster und dem Löwen eine Medaille. Während er schon im Heißluftballon wartet, weil er sich entschied, mit Dorothy zurück in ihre Welt zu gehen, verabschiedet sich diese von ihren Freunden. Doch plötzlich kommt eine Windböe und der Wiz ist auf und davon – ohne Dorothy.
Am Boden zerstört fragt sich Dorothy nun, wie sie denn jetzt nach Hause gelangen soll, und ihre Rettung naht sogleich. Glinda (Lisa Antoni), die gute Hexe des Südens, macht mit ihrer kräftigen Stimme in einem Song auf sich aufmerksam und gibt ihr dann den Tipp, die Absätze ihrer silbernen Schuhe dreimal aneinander zu klicken und dann geht’s ab nach Hause. Mit einem letzten finalen Song, verabschiedet sich Dorothy und freut sich schon, endlich wieder zurück nach Kansas zu kommen.
Ariana Schirasi-Fards Stimme war den ganzen Abend auf Hochleistung und gab keine Sekunde nach. Rob Pelzer und Oliver Liebl verkörperten die Vogelscheuche und den Blechmann wunderbar. Den Opernsänger in Richard McCowen hört man sofort heraus, aber genau das gab dem Löwen das richtige Brüllen.
Die Bühnenfläche wurde gut ausgenützt, indem man das Orchester wie eine Treppe in der Mitte aufstellte und dennoch genug Platz ließ für alle Tanzeinlagen. Auch der Weg hinein ins Publikum als Yellow Brick Road gibt einem das Gefühl, dass man sich gleich selber mit Dorothy auf den Weg machen kann.
Beim ersten Akt dauert es ein bisschen, bis man in Stimmung kommt, aber bei "Ease on down the Road" hat dann jeder einen Ohrwurm. Ein bisschen zu schnell wird die böse Hexe beseitigt und ehe man es sich versieht, ist Dorothy schon wieder in Kansas zu Hause.
Manchmal sind die Witze ein bisschen seicht, aber man kommt ja hauptsächlich für die Musik. Interessant war es, die Musiktitel alle einmal in Deutsch zu hören, aber in der Originalsprache denke ich, wäre der Soul besser herausgekommen.
Zu guter Letzt ist und bleibt The Wiz eines der perfektesten Familienmusicals aller Zeiten. Wer noch nicht die Geschichte von Dorothy und ihren drei Freunden kennt, sollte das auf jeden Fall lieber schnell nachholen. Die Kinder werden sicher dankbar sein.
Sandra Ameshofer  
Honk! – Erwachte Kindheitserinnerungen
In den Linzer Kammerspielen wird zurzeit die Altersrate deutlich gesenkt, denn viele Kinder besuchen das Musical Honk!. Unter der musikalischen Leitung von Kai Tietje und Daniel Spaw wird das Märchen Das hässliche Entlein von Hans Christian Andersen wahrlich zum Leben erweckt. Und nicht nur die Bühne, sondern der ganze Zuschauerraum steckte voll Leben und Begeisterung.
Beeindruckend war, dass einige Darsteller/innen bis zu 3 oder 4 Rollen spielten und diese gekonnt voneinander absetzten, sodass man nur bei wirklich genauem Hinschauen erkannte, dass es dieselbe Person war.
Durch die Aufführungsdauer von zweieinhalb Stunden am Abend möchte man meinen, die Kinder werden müde und können die Vorstellung nicht mehr genießen, doch dem war nicht so. Die Kinder verließen den Saal genauso, wie sie ihn betreten hatten. Mit Begeisterung und einem Lächeln auf den Lippen.
Was in einem Familien-/Kindermusical natürlich auf keinen Fall fehlen darf, sind Kinder. Zuckersüße Kinderstimmen sorgten dafür, die Inszenierung noch authentischer zu gestalten. Begleitet mit wenigen, aber ausgezeichnet gespielten Instrumenten, eine wahrlich gelungene Aufführung.
Auch ich persönlich musste an einigen Stellen schmunzeln und es wurden Kindheitserinnerungen geweckt. Ein Stück, das ich deshalb nur jedem herzlichst empfehlen kann.
Lena Lutz  
Ein schrilles Musical mit Tiefgang
Dass es nirgends so schön wie daheim ist, ist wohl eine der zentralen Botschaften des schon über 100 Jahre alten Kinderbuchs Der Zauberer von Oz, das nun in deutschsprachiger Erstaufführung als Musical The Wiz im Musiktheater aufgeführt wird. Mit knallbunten, witzigen und kuriosen Kostümen (Monika Buttinger), zahlreichen Bühneneffekten und einem sensationellem Bühnenbild (Hans Kudlich) erobert The Wiz sofort die Zuneigung des Publikums.
Stürmisch ging es auf der Bühne zu, als gleich zu Beginn eine einsame Farm im verlassenen Kansas mitsamt einem Mädchen – Dorothy – von einem tosenden Wirbelsturm weggerissen wird und Sekunden später im knallbunten Lande Oz wieder Fuß fasst. Nicht nur für Dorothy, die so plötzlich ganz woanders ist, sondern auch für die witzigen, sensationell gekleideten Wesen ist die Überraschung groß. Mit tollen Choreografien (Kim Duddy) ziehen die Bewohner des mysteriösen Landes Oz die Zuschauer nur so in ihren Bann – ob diese nun in weißen Kostümen auf Einkaufswagen über das Parkett jagen, sich als geflügelte Affen über die Bühne schwingen oder mit langen Vogelmasken im Rhythmus herumflattern, die Zuschauer sind begeistert!
Doch Dorothy lässt sich von diesen seltsamen Wesen nicht so leicht beirren und macht sich nach Rat der guten Hexe des Nordens auf den Weg in die Smaragdstadt, um dort den mächtigen Zauberer von Oz um eine Rückfahrmöglichkeit nach Kansas zu bitten. Ariana Schirasi-Fard meistert ihre Rolle als liebenswerte, besorgte Dorothy ausgezeichnet und schlüpft sofort nicht nur in die Herzen des Publikums, sondern auch in die ihrer drei neuen Gefährten und Freunde: der Vogelscheuche (Rob Pelzer), der das Gehirn und der Verstand fehlt, dem eingerosteten Blechmann (Oliver Liebl), der auf der Suche nach einem Herzen ist und dem pelzigen Löwen (Richard McCowen), der mit seiner Feigheit zu kämpfen hat. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Wiz, um ihn um ein paar Wunder zu bitten. Bei tieferer Betrachtung entpuppen sich diese drei Figuren als die drei Tugenden Weisheit, Güte und Mut – die zu den „universellen“ Werten der Menschheit zählen. Auch wenn alle drei über das Fehlen einer dieser Eigenschaften klagten, hatten sie diese letztendlich doch in sich. Auch Dorothy, die noch auf der Suche einer „Identität“ war, baute diese im Zuge ihrer wundersamen Reise immer mehr auf und wurde nicht nur gewissermaßen im verrückten Oz erwachsen, sondern lernte vor allem, an sich selbst zu glauben. Als einziger Betrüger entpuppte sich nur der von allen bewunderte Wiz (Reinwald Kranner), der auf jeden Fall nicht das war, was er für alle zu sein schien. Auch wenn er zwar keine magischen Zauberkräfte für die vier Freunde darbieten konnte, so hat er ihnen doch zu ihrem Glück verholfen und dem Publikum zu einer großartigen musikalischen Leistung.
Als Dorothy schon daran zweifelt, jemals zu ihrer Familie zurückzukommen, weist sie die gutmütige, mütterliche Hexe Glinda daraufhin, dass sie die Antwort auf ihr Problem bei sich selbst findet und fragt sie, ob sie denn nie mit ihren Füßen oder besser gesagt mit ihren verzauberten Silberschuhen rede? Sie meinte damit, Dorothy solle auf ihre „innere Stimme“ hören.
The Wiz ist wirklich ein ausgezeichnetes Musical für Jung und Alt – ein Musical das nicht nur mit vielen bunten Farben und einer brillanten Bühnenshow bezaubert, sondern auch bei näherem Hinsehen mehrere Botschaften an die Zuschauer richtet. Ich bin mir sicher, dass an diesem Abend jeder für sich seine eigene Botschaft mitgenommen hat.